Liebe Schwestern und Brüder der Gemeinden in der Erlöserkirche Berlin-Tegel und in der Kreuzkirche Berlin-Spandau,
Jesus sagte: „Diese Krankheit führt nicht zum Tod. Sie dient dazu, die Herrlichkeit Gottes offenbar zu machen; denn durch sie wird der Sohn Gottes zu seiner Herrlichkeit gelangen.“
Evangelium nach Johannes 11,4

Krankheit gehört zum menschlichen Leben wie Ruhe und Aktivität, wie Hunger und Satt sein. Ihr Gegenpol ist Gesundheit.
Wobei jede(r) gerne möglichst gesund sein will. Und wer krank ist, möchte schnell wieder gesund werden.
Eine Krankheit wird als unangenehme Störung erlebt: als Störung meines Wohlbefindens und als Unterbrechung meiner gewohnten Aktivitäten. Je massiver diese Störung ist, je weniger und unvollständiger es gelingt, sie zu überwinden, umso schwerer und bedrohlicher ist eine Krankheit. Dann wird deutlich, dass eine Krankheit das Leben kosten kann. Dann führt eine Krankheit zum Tod. Viele Menschen weltweit machen gerade diese schreckliche Erfahrung.
Eine Krankheit kann aber auch ihr Gutes haben. Fieber etwa ist in der Regel eine „gesunde“ Reaktion unseres Körpers, der damit auf eine „Störung“ reagiert.
Ein Zusammenbruch kann eine letztendlich heilsame Reaktion von Körper und Seele sein, die signalisiert, dass es so nicht weitergehen kann. Dass ich mich ständig überfordere.

Auch wenn eine Gesellschaft krank wird und ihr vielfältiges und agiles öffentliches Leben zusammenbricht, muss die Frage erlaubt sein, was so nicht weitergehen kann. Und womit sie sich immer wieder überfordert.
Das ist jetzt unsere Aufgabe: in Deutschland und darüber hinaus.
Der französische Dichter André Gide (1869 – 1951) verglich deshalb Krankheiten mit Schlüsseln: „Ich glaube, es gibt gewisse Tore, die einzig die Krankheit öffnen kann.“
Lazarus, ein Freund von Jesus, war nach menschlichem Ermessen seiner Zeit todkrank. Und doch sagte Jesus: „Diese Krankheit führt nicht zum Tod“, denn er wird Lazarus noch einmal aus dem Tod ins Leben zurückrufen.
Das wird eine einmalige Aktion bleiben. Auch Lazarus wird später sterben wie jeder Mensch. Jesus aber zeigt, dass Gott, der durch ihn handelt, angesichts von Krankheit und Tod nicht an seine Grenzen kommt.
Am Ende wird das Leben das Feld behaupten.
Zu dieser Welt und unserem Leben aber gehören weiterhin Krankheit und Tod. Hier kommt die heutige Medizin trotz ihrer unglaublichen Erfolge zuletzt an ihre Grenze.
Wie gut, dass Gott hier nicht am Ende seiner Möglichkeiten ist. Das ist in dieser besonderen Zeit ein großer Trost für mich!
Wer Gott vertraut, erfährt das, in Gesundheit und Krankheit, im Leben und im Sterben.
Herzlichst
Ihr/Euer Pastor Matthias Zehrer


DIE LOSUNG VOM 3. MAI:
Soll denn das Schwert ohne Ende fressen? Weißt du nicht, dass daraus am Ende nur Jammer kommen wird?Samuelbuch 2,26


DER DAZUGEHÖRIGE LEHRTEXT: Zum Frieden hat euch Gott berufen.Paulusbrief an die christliche Gemeinde in Korinth 7,15


Am 3. Mai 1728 wurde im ostsächsischen Ort Herrnhut damit begonnen, Bibelworte für jeden Tag zu losen. Zwei Jahre später gab man dann die Herrnhuter Losungen als Jahreshefte heraus. In diesem Jahr erschien die 290. Ausgabe.
Unsere Spandauer Gemeinde wird im Mai 2021 eine dreitägige Studienfahrt nach Herrnhut unternehmen.



Zum Sonntag, 3. Mai

4 Kommentare zu „Zum Sonntag, 3. Mai

  • 3. Mai 2020 um 11:31
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    Ich protestiere!

    Wie obrigkeitshörig sind wir eigentlich?
    Keine Gottesdienste wochenlang: nicht schön, aber okay, um Schlimmeres zu verhindern!
    Abstand, keine Berührungen: in Ordnung, wenn es sein muss!
    Mund-Nasen-Schutz: lästig, und hinderlich – aber wenn’s denn hilft … !
    Kein Abendmahl: hier wird es schon enger; doch Infektionsschutz ist wichtig!
    Aber kein gemeinsames VaterUnser – trotz Abstand und Mundschutz? Ich protestiere! Laut und deutlich! „Wir sind nicht der Menschen Knechte!“

    Antworten
    • 8. Mai 2020 um 9:36
      Permalink

      Lösungsvorschlag: Wenn einer von vorne das Vater Unser laut betet, können alle im Gedanken mit beten.

      Antworten
  • 5. Mai 2020 um 15:20
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    Ich verstehe nicht, warum nicht gesungen werden darf. Bei den Fernsehgottesdiensten, z. B . Sonntag 3.5., ZDF, meshrere Sänger einer Kantorei.
    Können wir nicht im Garten singen?

    Antworten
  • 10. Mai 2020 um 15:06
    Permalink

    Liebe Geschwister,
    was für ein wunderbarer Morgen heute früh! Die Sonne scheint, die Vögel singen, es ist warm – und ich kann wieder zur Kirche gehen und darf meine Geschwister wiedersehen!
    Ich fand: Es war unter den gegebenen Umständen ein sehr schöner Gottesdienst. Vielen Dank, lieber Pastor, für die liebevolle und sorgfältige Vorbereitung!
    Ich bin an der Miraustraße aus dem Bus gestiegen und den Rest des Weges gelaufen – schon an der Bollestraße hörte ich Bläsermusik. Das konnte ja nur von der Erlöserkirche kommen! Vielen Dank an die 3 Musikanten, tolle Idee!
    Und dann habe ich tatsächlich fast alle wiedergesehen, die ich so lange vermisst habe. Trotz der großen Abstände zwischen den Stühlen konnte man miteinander reden, auch vorher und hinterher draußen. Ja, wir durften nicht gemeinsam singen, das war schade, aber es gab sehr schöne Lieder vom Band, und man konnte ja mitsummen. Ja, ich habe auch nicht verstanden, warum ein eingemeinsam gesprochenes Gebet nicht möglich sein sollte, aber ich konnte es letztendlich hinnehmen, und wir haben schließlich doch draußen alle zusammen laut gebetet, auch für die mehr oder weniger mithörenden Nachbarn.
    Trotz aller Einschränkungen war es, fand ich, ein guter Gottesdienst und ein schönes Gefühl, wieder in meiner Kirche sein zu dürfen. Ich denke, wir sollten das beste machen aus den momentanen Bedingungen und uns unsere Freude an der Gemeinschaft untereinander und miteinander mit Gott nicht nehmen lassen durch Frust und Ärger über das, was immer noch nicht möglich ist. Es geht doch voran, es geht vorwärts, lasst uns also weiterhin vorsichtig sein, damit es keinen Rückschlag gibt.
    Ich freue mich schon auf den nächsten Sonntag in meiner, in unserer Kirche, auf euch alle! Bis dahin bleibt zuversichtlich, gesund und behütet!
    Und im Nachsatz noch eine Bitte: Betet für meine Mutter um ein fröhliches Herz, um Ruhe, um Zuversicht. Herzlichen Dank!
    Angelika, Tegel

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