Liebe Schwestern und Brüder der Gemeinden in der Erlöserkirche Berlin-Tegel und in der Kreuzkirche Berlin-Spandau,

Arm sein, aber mit Gott leben ist besser als aller Reichtum der vielen, die gegen Gott leben.

Psalm 37,16

Es war Anfang der 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts, als ich während einer kirchlichen Tagung in (Ost-) Berlin in der Komischen Oper das Musical „Anatevka“ erleben durfte.

Es wurde eines der erfolgreichsten Musicals, die es je gab. Warum? Weil es in einzigartiger, jung und alt zugleich bewegenden Weise aus dem Leben des jüdischen Milchmanns Tevje erzählt, der um das Jahr 1905 herum in Anatevka lebt, einem kleinen Städtchen in der Ukraine.

Arm war er, wie viele seiner Landsleute, und immer bedroht von der antijüdischen Stimmung im Land. Sein Reichtum war seine Familie.

Wie man in Armut und unter ständiger Bedrohung sein Leben bewältigen kann, zieht sich wie ein roter Faden durch diese spannende, aufrüttelnde Geschichte.

Tevje, der Milchmann, hatte einen Anker, der ihn hielt. Seine ganz selbstverständliche Beziehung zu seinem Herrgott tröstete ihn, richtete ihn auf und gab ihm Fantasie im täglichen Überlebenskampf.

Immer wieder gibt es in dieser Geschichte jene ernst und humorvoll anrührenden Dialoge mit Gott. In einer der bekanntesten Szenen singt Tevje: “Wenn ich einmal reich wär´, o je wi di wi di wi di wi di wi di wi di bum, alle Tage wär´ ich, wi di bum, wäre ich ein reicher Mann!“

Er malt sich in den schönsten Farben aus, was dann wäre: Nicht mehr so schwer arbeiten müssen, endlich genug essen und auch seiner Frau etwas bieten können. Wehmütig fragt er am Ende: „Wär´ es wirklich gegen deinen Plan, wenn ich wär´ ein reicher Mann?“

Seine große Sehnsucht wird spürbar und gleichzeitig die unverbrüchliche Verbundenheit mit seinem Herrgott.

Natürlich wird er nicht reich. Er und die Seinen müssen vieles ertragen, bis sie schließlich gezwungen werden, Anatevka zu verlassen. Andere reißen ihren kleinen Besitz an sich.

Sie gehen schweren Herzens, aber sie wenden sich nicht von Gott ab, sondern zu ihm hin. Der Rabbiner der jüdischen Gemeinde sagt beim Gehen: „Schon oft musste unser Volk seinen Ort verlassen“, und Tevje antwortet darauf: „Wahrscheinlich tragen wir deshalb immer einen Hut auf dem Kopf.“

Behütet sein in allen Widerfahrnissen des Lebens, behütet sein von Gott, das ist ihr größter Reichtum.

So gehen sie aus ihrem „Schtedel“ und wünschen einander: „Gott sei mit euch.“

Das wünsche ich auch ihnen und euch in den Widerfahrnissen unseres 2020er Frühlings!

Herzlichst

Ihr/Euer Pastor Matthias Zehrer

DIE LOSUNG VOM 26. APRIL

Ich rief zu dem Herrn in meiner Angst, und er antwortete mir.

Prophet Jona 2,3

AUS DEM WOCHENSPRUCH

Christus spricht: Ich bin der gute Hirte.

Evangelium nach Johannes 10,11a
Zum Sonntag, 26. April

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.