Liebe Schwestern und Brüder der Gemeinden in der Erlöserkirche Berlin-Tegel und in der Kreuzkirche Berlin-Spandau,

Am Tag nach dem Sabbat kam Maria aus Magdala in aller Frühe zum Grab. Sie sah, dass der Stein vom Eingang des Grabes entfernt war.

Johannes 20,1

Maria aus Magdala fühlte sich Jesus sehr verbunden. Nach biblischen Erzählungen hatte Jesus (sieben) Dämonen aus ihr ausgetrieben. Seitdem gehörte sie zu den Frauen, die seine Nähe geradezu suchten. Und zu seinen treuesten Jüngerinnen.

Gemeinsam mit anderen Frauen sorgte sie für den Lebensunterhalt von Jesus und seinen zwölf berufenen Jüngern. Für sie war sein schrecklicher Tod besonders schlimm.

So wollte sie nach dem Sabbattag die Erste an seinem Grab sein und in aller Ruhe trauern. Welche Überraschung erlebte sie dann, als sie die Grabstelle geöffnet und leer vorfand.

In dem Augenblick, als Maria fassungslos vor dem offenen Grab stand, ahnte sie noch nichts von dem Wunder der Auferstehung. Sie befürchtete wohl eher, dass Grabräuber am Werk gewesen waren. Eine echte Plage in der damaligen Zeit.

In Frage stellen, anzweifeln, das ist typisch für Menschen, die zaghaft anfangen, (wieder) zu glauben. Bis heute erleben Christinnen und Christen, dass der Glaube oft mitten im Zweifeln und Fragen wächst. Das ist erstaunlich.

Kein Mensch kann wissenschaftlich beweisen, dass Jesus von Nazareth wirklich aus dem Tod auferstanden ist. „Der Herr ist auferstanden!“ Diese Wahrheit erschließt sich nur denen, die sich diesem „Herrn“ auch anvertrauen.

Ich erinnere mich noch gut an die Zeit meiner bewussten Hinwendung zu Jesus Christus und an meine ersten Herzensgebete. Sie waren auch fragend, zweifelnd, stotternd – bis hin zu dem Satz: „Wenn es wahr ist, dass du lebst, dann zeige dich mir!“

Ich sah Jesus dann nicht leibhaftig, aber am nächsten Morgen erfüllte mich erstaunlicherweise ein so tiefer Friede, dass ich nur schlussfolgern konnte, dass mein Gebet wirklich „angekommen“ war. Das prägte sich tief ein und machte mir Mut, ihm zu folgen. Da war ich 17 Jahre alt.

Bis heute erlebe ich Situationen, dass ich, wie Maria damals vor dem leeren Grab, nur dastehe und frage: „Was soll das bedeuten? Wie bekomme ich das mit meinem Glauben zusammen?“

Dann hoffe ich immer, dass der Auferstandene mich zu gegebener Zeit anspricht und meinen Lebensknoten löst.

Bis heute ist das glücklicherweise stets geschehen.

Ein frohes und gesegnetes Osterfest!

Ihr/Euer Pastor Matthias Zehrer

DIE LOSUNG VOM OSTERSONNTAG, 12. APRIL

Siehe, Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker; aber über dir geht auf der Herr, und seine Herrlichkeit erscheint über dir.

Jesaja 60,2

Gottesdienst zum Karfreitag 2020 mit Bischof Harald Rückert

Zum Ostersonntag

2 Kommentare zu „Zum Ostersonntag

  • 11. April 2020 um 17:55
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    Liebe Schwestern, liebe Brüder,
    ein Gedanke kam mir zu Karfreitag.: Jesus, die Wahrheit wurde vor knapp 2000 Jahren ans Kreuz genagelt.
    Die Auferstehung Jesu lässt aber hoffen. Wenn wir in Jesus bleiben, werden wir, wie er, auferstehen.
    Wir brauchen uns von keiner Macht der Welt Angst einjagen lassen! Das aktuelle Geschehen ist leider geprägt von Angstmacherei.
    In dem Sinne, lasst euch nicht verDrosten, sucht die Wahrheit, informiert euch. Kritik und differenzierte Meinungsbildung gehören zu einer Demokratie. Was hier gerade geschieht ist, finde ich, erschreckend, aber vielleicht birgt es auch eine Chance.
    Herzliche Ostergrüße, Steffi

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  • 12. April 2020 um 6:14
    Permalink

    Liebe Geschwister,
    „Der Herr ist auferstanden!“ Mit diesem frohmachenden Ostergruß wünsche ich Euch ein frohes und gesegnetes Osterfest.

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