Liebe Schwestern und Brüder der Gemeinden in der Erlöserkirche Berlin-Tegel und in der Kreuzkirche Berlin-Spandau,

Gott spricht:

Ich habe dich je und je geliebt, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte.

Jeremia 31,3

Welch eine Liebeserklärung!

Wie sie in diesen Zeiten gut tut, in denen viele Berlinerinnen und Berliner in ihren Singlewohnungen vereinsamen. Und Paare sich aufgrund der verordneten Nähe mehr als sonst miteinander streiten. Und die häusliche Gewalt an Frauen, Kindern und auch an Männern um 11% gegenüber der Zeit vor dem Herunterfahren des öffentlichen Lebens gestiegen ist (Quelle: DLF).

Zunächst ist dieser Text jedoch erst einmal Gottes Liebeserklärung an sein Volk. Israel ist, wie Deutschland, Italien, Frankreich oder Spanien auch, kein Volk ohne Fehl und Tadel. Im Gegenteil. Das Israel in Jeremia 31 missachtet Gottes leitendes Reden. Deshalb werden seine Entscheidungsträger mit der Zeit immer blinder für die richtigen Entscheidungen. Erst auf dem sogenannten „einen Auge“, dann auf beiden. Das geht ganz schön schnell. Auch heutzutage.

So verkalkuliert sich die politische Elite und lässt sich in einen Konflikt hineinziehen, der damit endet, dass Israel von den Truppen des babylonischen Königs Nebukadnezar besiegt und die führende Schicht der Gesellschaft nach Babylonien deportiert wird.

Aber diese Gefangenschaft und das Elend der Zurückgebliebenen im Nachkriegsisrael jener Zeit ist nicht Gottes letztes Wort.

Ein Prophet tritt auf. Jeremia teilt den Deportierten mit: Gottes Liebe ist nicht erloschen! Wenn die Zeit gekommen ist, wird er euch heimführen.

Warten ist schwer. Auch für uns jetzt im April 2020. Wir sitzen in unseren Wohnungen oder gehen allein oder zu zweit an die frische Luft und sind verunsichert, weil wir nicht wissen, wie lange wir noch bis zum „Start in die Normalität“ warten sollen.

Die Geschichte aus dem Alten Testament spiegelt sich übrigens in einer aus dem Neuen Testament wieder: In der Geschichte vom verlorenen Sohn.

Dieser junge Mann lässt sich von seinem Vater frühzeitig das Erbteil auszahlen, verlässt sein Elternhaus und investiert in das Leben. Und verkalkuliert sich. Wird blind für gute, vorwärtsweisende Entscheidungen. Er stürzt ins Elend.

Erst dort beginnt ein Denkprozess, der ihm die Augen wieder öffnet. Er erkennt, dass er nun schmerzhafte Entscheidungen treffen muss. Er bringt den Mut dazu auf. Ich bewundere ihn so dafür! Die Schritte, die er nun gehen wird, werden ihn heilen. An Seele und Leib. Auch Beziehungen werden wieder heil werden. Aber das weiß er noch nicht, denn er ist erst am Anfang seines Weges.

„Nach Ende der Pandemie wird nichts mehr sein, wie vorher“, prognostizierte ein Wirtschaftswissenschaftler und Mitglied des Deutschen Ethikrats in der ARD. Zunächst bestimmt. Aber dann? Werden wir als Gesellschaften dieser Welt den Mut haben, aus diesem „Schach matt“ die richtigen Lehren zu ziehen? Zeit zum Überlegen haben wir gerade ausreichend. Das Warten und Nachdenken könnte sich also lohnen.

Der sogenannte verlorene Sohn aus dem Neuen Testament der Bibel geht den Weg zurück nach Hause. Nein, er hofft nicht auf Vergebung. Nur auf ein Leben als Knecht unter anderen Knechten. Denn er weiß: Denen geht es besser als ihm.

Der Vater reagiert unerwartet. Er sieht das Elend seines Sohnes. Er geht ihm entgegen. Er nimmt ihn zärtlich in die Arme. Vor allen! Wenn ich eine solche Szene in einem Film sehe, bin ich fast immer zu Tränen gerührt. Weil das so schön ist! Weil es einfach wunderbar ist, wenn ein Verhältnis wieder beginnt, langsam aber sichtbar zu heilen.

Die liebevolle Geste jenes Vaters macht deutlich: Er ist fest entschlossen, seinen Sohn wieder aufzurichten.

Auch wir gehen unsere Wege, treffen Entscheidungen und investieren ins Leben. In der Hoffnung, dass es uns gut geht. Und besser als vorgestern.

Wie oft denken Sie, liebe Leserin, lieber Leser, darüber nach, ob Ihre Entscheidungen auch im Sinne Gottes sind? Ob er alles gutheißen würde. Im Eifer bemerken wir manchmal nicht, wenn unsere Wege fehlgehen. Dann stehen wir vor einem Scherbenhaufen und fühlen uns gottverlassen.

Wir sind es dann auch tatsächlich. Nicht, weil Gott uns verlassen hat, sondern wir ihn.

Seine Zusage aber bleibt. Ich möchte versuchen, sie in eigenen Worten wiederzugeben: Ich habe dich schon immer geliebt. Ich habe dich durch Jesus Christus aus deiner hoffnungslosen Lage heraus gerettet. Nur aus Liebe. Aus keinem anderen Grund.

Darauf dürfen wir hoffen. Aber nur, wenn wir uns auch aufmachen, den Kurs ändern und bereit sind, Gottes Maßstäbe an unser Leben anzulegen.

Was notwendig wäre? Ein Umdenken in den globalen politischen Bündnissen unserer Erde. Eine Neuausrichtung der Weltwirtschaft hin zum Entschluss, den Wohlstand Europas, Nordamerikas und Japans nicht mehr durch fragwürdige Verträge mit Staaten zu sichern, die dadurch einfach nur ausbluten – zum Beispiel auf dem afrikanischen Kontinent, wo sauberes Wasser, Schulbildung für alle und eine ausreichende medizinische Versorgung der Menschen auch im 21. Jahrhundert noch nicht zur Selbstverständlichkeit geworden sind.

Vor allem aber wäre es notwendig, sich selbst zu prüfen. Was brauche ich wirklich? Und was will ich eigentlich nur haben?

Herzlichst

Ihr/Euer Pastor Matthias Zehrer

AUS DER LOSUNG VOM 1. APRIL

… Man soll … nicht mehr hören die Stimme des … Klagens.

Jesaja 65,19

AUS DEM DAZUGEHÖRIGEN LEHRTEXT

Jesus sprach zu seinen Jüngern: Ihr habt nun Traurigkeit; aber … euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen.

Johannes 16,22


Zum Mittwoch

6 Kommentare zu „Zum Mittwoch

  • 1. April 2020 um 22:51
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    Liebe Gemeinde,
    ich verfüge selbst nicht über einen Internetzugang.
    Aber Klaus Habermann wird sicher bereit sein, mir das, was in eurem Blog steht, am Telefon vorzulesen.
    Ich hänge sehr an euch und vermisse euch!
    Ich habe unseren Pastor gebeten, diese Grüße von mir aufzuschreiben.
    Ach wird das schön sein, wenn wir wieder gemeinsam Gottesdienste feiern können.
    Ganz lieb grüßt euch Franziska!
    Franziska Kothe, Tegel

    Antworten
    • 2. April 2020 um 9:53
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      Liebe Fränze,
      wie schön dass Klaus dir die Nachrichten und Berichte aus dem Gemeinde Blog vorliest. So weiß i ch nun, dass du auch auf diesem Weg mit uns verbunden bist.

      Antworten
  • 1. April 2020 um 22:53
    Permalink

    Liebe Schwestern und Brüder,
    ich grüße euch alle! Ihr fehlt mir sehr!
    Leider habe ich keinen Zugang zum Internet.
    Deshalb habe ich unseren Pastor gebeten, euch meine Grüße auszurichten.
    Martina Poesche, Tegel

    Antworten
  • 4. April 2020 um 17:36
    Permalink

    Auch ich überlege wie es Geschwistern geht die keinen Internetzugang haben.
    Wohnt jemand in meiner Nähe. Kann ich zumindest die Andachten ausdrucken und in den Briefkasten einwerfen.
    Gibt es noch andere Ideen?
    Wir sollten versuchen an alle zu denken.
    Renate

    Antworten
  • 5. April 2020 um 13:34
    Permalink

    Liebe Geschwister der Spandauer und Tegeler Gemeinde.
    Ich habe eine Einladung bekommen, die ich gerne an euch weiterleite und euch auch bitte dabei zu sein.

    DEUTSCHLAND BETET GEMEINSAM
    In einer Zeit wie dieser, muss ein Ruck durch unser Land gehen. Wie wäre es, wenn sich Hunderttausende in Deutschland zeitgleich zum Gebet versammeln würden? Ministerpräsident Söder hat aufgerufen, für unser Land zu beten: das wollen wir tun.
    Am Mittwoch, den 8. April, beginnt das jüdische Pessachfest. Das Volk Israel denkt daran, wie Gott es durch Plagen hindurch aus der Gefangenschaft befreit hat. Wir rufen dazu auf, an diesem Tag von 17:00 bis 18:30 Uhr gemeinsam zu beten: für Kranke und Gesunde, für alle, die jetzt wichtige Dienste leisten. Für unser Land! Wir beten gemeinsam! Online! Aus unseren Häusern und Wohnungen! Verbundenheit statt Isolation – Hoffnung statt Angst. Unser Land braucht Gottes Hilfe und wir wollen ein deutlich sichtbares Zeichen setzen. Sind Sie dabei?

    Verbunden im Herzen und online über den Livestream von „Deutschland betet gemeinsam“ versammeln sich Leiter und Christen aus unterschiedlichen Konfessionen zum gemeinsamen Gebet für unser Land. Ein Zeichen gegen Antisemitismus. Ein Zeichen gegen Hoffnungslosigkeit.
    Wir beten gemeinsam!

    UNTERSTÜTZER:
    Dr. Bertram Meier, ernannter Bischof der Diözese Augsburg
    Dr. Stefan Oster, Bischof der Diözese Passau
    Gregor Maria Hanke OSB, Bischof der Diözese Eichstätt
    Dr. Frank Otfried July, Landesbischof der evangelischen Landeskirche in Württemberg
    Metropolit Serafim Joantă, Rumänisch-Orthodoxer Erzbischof
    Florian Wörner, Weihbischof der Diözese Augsburg
    Thomas Maria Renz, Weihbischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart
    Dorothea Greiner, evangelische Regionalbischöfin Bayreuth
    Axel Piper, evangelischer Regionalbischof Augsburg
    Christoph Stiba, Generalsekretär Bund Evangelischer-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland

    Julia Klöckner, MdB, Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft
    Marie-Luise Dött, MdB, langjährige Vorsitzende Bund katholischer Unternehmer
    Gitta Connemann, MdB, stellv. Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion
    Marco Wanderwitz, MdB, parlamentarischer Staatssekretär
    Volker Kauder, MdB, langjähriger Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion
    Otto Fricke, MdB, haushaltspolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion
    Dr. Stefan Ruppert, MdB, religionspolitischer Sprecher FDP-Fraktion
    Steffen Bilger, MdB, parlamentarischer Staatssekretär

    Gerhard Proß, Miteinander für Europa
    Harald Eckert, Christen an der Seite Israels
    Prof. Dr. Roland Werner, Lausanner Bewegung
    Ulrich Eggers, Verleger SCM Verlagsgruppe, 1. Vorsitzender Willow Creek Deutschland
    Peter Wenz, Gospel Forum Stuttgart
    Prinz Philip Kiril von Preussen
    Marie-Louise Fürstin zu Castell-Castell
    Dr. Heinrich Christian Rust, Braunschweiger Friedenskirche
    Markus Rode, Geschäftsführer Open Doors Deutschland
    Samuel Koch, Schauspieler, Autor
    Jana Highholder, Social Media Botschafterin der EKD
    Samuel Rösch, Sänger, Gewinner „The Voice of Germany“
    Rainer Harter, Gebetshaus Freiburg
    Gerhard Kehl, Jordanstiftung
    Juri Friesen, Outbreakband
    Mia Friesen, Urban Life Church

    ACK Bayern | Alpha Deutschland
    Bund Freier evangelischer Gemeinden Deutschlands
    Bibel TV | Blue Flame e.V. | Campus für Christus
    Charismatische Erneuerung in der katholischen Kirche
    Christlicher Convent für Deutschland | Christliche Polizeivereinigung e.V.
    CVJM | Europe Shall Be Saved |Evangelische Allianz Deutschland
    ERF Medien e.V. | Forum Wiedenest | Gebetshaus Berlin
    Geistliche Gemeinde-Erneuerung im BEFG
    Geistliche Gemeinde-Erneuerung in der evangelischen Kirche
    Gnadauer Verband | Hillsong Church Deutschland
    ICF Deutschland | JMEM Deutschland
    Kirche in Not Deutschland
    K5-Community | Kirche des Nazareners Deutschland
    Lausanner-Bewegung ‚Runder-Tisch-Gebet‘
    Marienschwesternschaft Darmstadt | Mülheimer Verband
    Schönstatt-Bewegung | Vineyard Deutschland
    Wächterruf-Gebetsnetz für Deutschland
    Weg der Versöhnung/Runder Tisch – Verein zur Förderung und Zusammenarbeit unter Christen in Österreich

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  • 8. April 2020 um 22:42
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    „Hilfe“, dachte ich zuerst, „eineinhalb Stunden Beten – und das nach ausgiebiger Stiller Zeit am Morgen und noch (kurz) dem ‚Gebet für Kranke!‘
    Aber ich wurde überrascht und beschenkt: Ich brauchte gar nicht 90 Minuten zu reden, sondern konnte auch warten, still sein und erlebte dann, wie es „floss“. Gott gab mir viele Menschen und Anliegen in den Sinn und sorgte selber dafür, dass die Zeit nicht nur gefüllt, sondern erfüllt war.

    Antworten

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