Liebe Gemeinden in der Erlöserkirche Berlin-Tegel und in der Kreuzkirche Berlin-Spandau!

Gott spricht: Ich habe dich je und je geliebt, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte.         Jeremia 31, 3                                                                                                      

Welch eine Liebeserklärung!

Wie sie in diesen Zeiten gut tut, in denen viele Berlinerinnen und Berliner in ihren Singlewohnungen vereinsamen.

Zunächst ist dieser Text jedoch erst einmal Gottes Liebeserklärung an sein Volk. Israel ist, wie Deutschland, Frankreich oder die USA auch, kein Volk ohne Fehl und Tadel. Im Gegenteil. Das Israel in Jeremia 31 missachtet Gottes leitendes Reden. Deshalb werden seine Entscheidungsträger mit der Zeit immer blinder für die richtigen Entscheidungen. Erst auf dem sogenannten „einen Auge“, dann auf beiden. Das geht ganz schön schnell. Auch heutzutage.

So verkalkuliert sich die politische Elite und lässt sich in einen Konflikt hineinziehen, der damit endet, dass Israel von den Truppen des babylonischen Königs Nebukadnezar besiegt und die führende Schicht der Gesellschaft nach Babylonien deportiert wird.

Aber diese Gefangenschaft und das Elend der Zurückgebliebenen im Nachkriegsisrael jener Zeit ist nicht Gottes letztes Wort.

Ein Prophet tritt auf. Jeremia teilt den Deportierten mit: Gottes Liebe ist nicht erloschen! Wenn die Zeit gekommen ist, wird er euch heimführen.

Warten ist schwer. Auch für uns jetzt im Januar 2021. Wir sitzen in unseren Wohnungen oder gehen verunsichert an die frische Luft und fragen uns, wie lange wir eigentlich noch bis zum „Start in die Normalität“ warten sollen.

Da spiegelt sich die Geschichte aus dem Alten Testament völlig überraschend in einer aus dem Neuen Testament wider und führt unsere Gedanken weiter. Ich meine die Geschichte vom verlorenen Sohn.

Der junge Hauptakteur jener Story lässt sich von seinem Vater frühzeitig das Erbteil auszahlen, verlässt sein Elternhaus und investiert in das Leben. Und verkalkuliert sich. Wird blind für gute, vorwärtsweisende Entscheidungen. Er stürzt ins Elend.

Erst dort beginnt ein Denkprozess, der ihm die Augen wieder öffnet. Er erkennt, dass er nun schmerzhafte Entscheidungen treffen muss. Er bringt den Mut dazu auf! Die Schritte, die er nun gehen wird, werden ihn heilen. An Seele und Leib. Auch Beziehungen werden wieder heil werden. Aber das weiß er noch nicht, denn er ist erst am Anfang seines Weges.

„Nach Ende der Pandemie wird nichts mehr sein, wie vorher“, prognostizierte im Frühjahr 2020 ein Wirtschaftswissenschaftler und Mitglied des Deutschen Ethikrats in der ARD. Zunächst bestimmt. Aber dann? Werden wir als Gesellschaften dieser Welt den Mut haben, aus diesem „Schach matt“ die richtigen Lehren zu ziehen? Zum Überlegen haben wir gerade wieder einmal ausreichend Zeit. Das Warten und Nachdenken könnte sich also lohnen.

Der sogenannte verlorene Sohn aus dem Neuen Testament der Bibel geht den Weg zurück nach Hause. Nein, er hofft nicht auf Vergebung. Nur auf ein Leben als Knecht unter anderen Knechten. Denn er weiß: Denen geht es besser als ihm.

Der Vater reagiert unerwartet. Er sieht das Elend seines Sohnes, geht ihm entgegen, nimmt ihn zärtlich in die Arme. Vor allen! Wenn ich eine solche Szene in einem Film sehe, bin ich schnell zu Tränen gerührt. Weil das so schön ist! Weil es einfach wunderbar ist, wenn ein Verhältnis wieder beginnt, langsam aber sichtbar zu heilen.

Die liebevolle Geste jenes Vaters macht deutlich: Er ist fest entschlossen, seinen Sohn wieder aufzurichten.

Auch wir gehen unsere Wege, treffen Entscheidungen und investieren ins Leben. In der Hoffnung, dass es uns gut geht. Und besser als vorgestern.

Wie oft denken Sie darüber nach, ob Ihre Entscheidungen auch im Sinne Gottes sind? Ob er alles gutheißen würde? Im Eifer bemerken wir manchmal nicht, wenn unsere Wege fehlgehen. Dann stehen wir vor einem Scherbenhaufen und fühlen uns gottverlassen.

Wir sind es dann auch tatsächlich. Nicht, weil Gott uns verlassen hat, sondern wir ihn.

Seine Zusage aber bleibt. Ich möchte versuchen, sie in eigenen Worten wiederzugeben: Ich habe dich schon immer geliebt. Ich habe dich durch Jesus Christus aus deiner hoffnungslosen Lage heraus gerettet. Nur aus Liebe. Aus keinem anderen Grund.

Darauf dürfen wir hoffen. Wirklich erleben werden wir Errettung und Heilung jedoch nur, wenn wir bereit sind, den Kurs zu ändern und Gottes Maßstäbe an unser Leben anzulegen.

Was notwendig wäre? Ein Umdenken in den globalen politischen Bündnissen unserer Erde. Eine Neuausrichtung der Weltwirtschaft hin zum Entschluss, den Wohlstand der großen, mächtigen Industrienationen dieser Welt nicht mehr durch fragwürdige Verträge mit Staaten zu sichern, die dadurch einfach nur ausbluten – zum Beispiel auf dem afrikanischen Kontinent, wo sauberes Wasser, Schulbildung für alle und eine ausreichende medizinische Versorgung der Menschen auch im 21. Jahrhundert noch nicht zur Selbstverständlichkeit geworden sind. 

Vor allem aber wäre es notwendig, sich selbst zu prüfen. Was brauche ich wirklich? Und was will ich eigentlich nur haben?  

Herzliche Grüße

Ihr Pastor Matthias Zehrer


INFORMATIONEN AM MITTWOCH, 13. Januar 2021: 

Neuigkeiten aus dem Berliner Distrikt, der Norddeutschen Jährlichen Konferenz und der Zentralkonferenz Deutschland:

In einer Videokonferenz der Hauptamtlichen des Berliner Distrikts am Dienstag, 12. Januar wurde deutlich, dass es derzeit keine Gründe für eine Öffnung unseres Gemeindelebens gibt.

Da der Inzidenzwert in Berlin (199,9 am 12.01.) nun den Grenzwert von Zweihundert nahezu erreicht hat und erstmals alle drei Berliner Corona-Ampeln  auf Rot stehen (12.01.), können hier weiterhin keine Präsenz-Gottesdienste gefeiert werden. Auch Wochenveranstaltungen sind momentan nicht möglich. Die Beschränkungen gelten zunächst bis einschließlich Sonntag, 31. Januar 2021.

Die Sitzung leitete Superintendent Gabriel Straka (B-Kreuzberg). 

Pastor M. Zehrer | Di, 12.01. | 23 Uhr

Neuigkeiten aus der Gemeinde in der Erlöserkirche B-Tegel: 

Bis einschließlich Sonntag, 31. Januar 2021 finden in der Erlöserkirche keine Präsenz-Gottesdienste und auch keine weiteren Veranstaltungen, Zusammenkünfte und Sitzungen statt.

So beschloss es der Bezirksvorstand in seiner Abendsitzung am 12. Januar.

Neben der bekannten Andacht des Pastors, die seit März 2020 jeweils mittwochs hier veröffentlicht wird, führen wir zum kommenden Sonntag eine Predigt ein, die als Tonspur erscheint. Diese Sonntagspredigten soll es solange geben, bis wir uns wieder in unseren Kirchen versammeln können. 

Die nächste Beratung unseres Bezirksvorstandes findet am Dienstag, 2. März statt. Die Sitzung im Februar fällt aus.

Pastor M. Zehrer | Di, 12.01. | 23 Uhr

Neuigkeiten aus der Gemeinde in der Kreuzkirche B-Spandau: 

Bis einschließlich Sonntag, 31. Januar 2021 finden in der Kreuzkirche keine Präsenz-Gottesdienste und auch keine weiteren Veranstaltungen, Zusammenkünfte und Sitzungen statt (siehe obigen Absatz „Neuigkeiten aus dem Berliner Distrikt…“!).

Neben der bekannten Andacht des Pastors, die seit März 2020 jeweils mittwochs hier veröffentlicht wird, führen wir zum kommenden Sonntag eine Predigt ein, die in der Erlöserkirche Tegel aufgenommen wird und als Tonspur erscheint. Diese Sonntagspredigten soll es solange geben, bis wir uns wieder in unseren Kirchen versammeln können. 

Die nächste Beratung unseres Bezirksvorstandes findet am Dienstag, 19. Januar statt. Der angedachte Sitzungstermin >13. Januar< ist damit hinfällig. Pastor M. Zehrer | Di, 12.01. | 23 Uhr                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                   

Zum Mi, 13. Januar 2021

3 Kommentare zu „Zum Mi, 13. Januar 2021

  • 13. Januar 2021 um 16:18
    Permalink

    Auf die Sonntagpredigt freue ich mich schon jetzt. Hoffentlich komme ich mit der Technik klar. Jetzt wäre eine Einführung in die ganze Internetwelt klasse.
    Was man so alles auf seine alten Tage noch lernen muss, aber auch kann.
    Liebe Grüße an euch alle. Renate

    Antworten
  • 16. Januar 2021 um 21:13
    Permalink

    Gehört das überhaupt hierher?
    Anregung:
    Wie wir vor kurzem sehr erschrocken hörten, ist unser ehemaliger Praktikant Burkhard Hübner „nach kurzer schwerer Krankheit“ verstorben.
    Wir mussten ziemlich im Gedächtnis kramen, um uns zu erinnern, wann genau und bei welchem Pastor Burkhard in Tegel gewesen ist. Das brachte mich auf die Idee, ob man nicht unserer Internetseite eine Auflistung der Pastoren und Praktikanten seit Bestehen der Gemeinde (möglichst mit Foto) hinzufügen könnten. Ich fände so eine „Chronik“ interessant und lebendig. Aber wer wäre dazu bereit und in der Lage? Und seht ihr das genau so wie ich? In Erwartung hoffentlich vieler Antworten
    Eure Hedda

    Antworten
  • 19. Januar 2021 um 11:52
    Permalink

    1. zur Frage von Hedda: gehört das hier her?
    Ich habe auch keine Erfahrung mit Internet-Kommunikation. Und nur wenige von uns scheinen den Blog zu nutzen. Vielleicht können die Jüngeren uns Alte mal aufklären.
    Erst seit Corona bin ich im Internet und kann sogar ein Sportangebot unseres Sportvereins wahrnehmen.
    Also, warum sollen wir nicht auf diesem Weg von dem Tod eines uns bekannten Menschen, Burkhard Hübner, erfahren. Hier im Blog sollte für mein Empfinden alles mitgeteilt w erden was auch sonst im Gottesdienst in Bekanntmachungen und Zeit der Gemeinschaft genannt wird.
    So, und nun 2., der Hörgottesdienst,
    es war eine große Freude, das es jetzt diese Möglichkeit gibt, Hören ist eben mehr als Lesen, wie z. B . die Mittwochsandacht. Andachten lese ich auch in meinem Andachtsbuch, aber das gesprochene Wort ist wie Heimat. Ich freue mich schon auf den nächsten Sonntag, und noch mehr auf auf den ersten Präsentgottesdienst. Renate Zipfel

    Antworten

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