Liebe Schwestern und Brüder der Gemeinden in der Erlöserkirche Berlin-Tegel und in der Kreuzkirche Berlin-Spandau,

Pilatus ließ ein Schild am Kreuz anbringen; darauf stand: „Jesus von Nazareth, der König der Juden“. Der Ort, wo Jesus gekreuzigt wurde, war nicht weit von der Stadt entfernt, deshalb lasen viele Juden diese Aufschrift. Sie war in hebräischer, lateinischer und griechischer Sprache abgefasst.

Johannes 19,19f

Auf vielen künstlerischen Kreuzesdarstellungen ist eine Inschrift zu lesen, die aus vier Buchstaben besteht: INRI. Es sind die Initialen für den lateinischen Satz: „Jesus Nazarenus Rex Iudaeorum.“ Auf Deutsch: „Jesus von Nazareth, König der Juden.“ Es geht um die Tafel, die der römische Statthalter Pilatus über Jesus am Kreuz anbringen ließ.

Ich frage mich schon seit langem, warum Pilatus befahl, dieses Schild anzubringen. Da es nicht ausdrücklich gesagt ist, kann man nur spekulieren.

Zunächst gibt es Auskunft über den Grund der Hinrichtung von Jesus: Jemand, der in einer römischen Provinz ohne kaiserliche Erlaubnis Anspruch auf die Königswürde erhob, machte sich des Hochverrats schuldig. Und dies war mit der öffentlichen Hinrichtung am Kreuz zu ahnden.

Auch wenn Pilatus ahnte, dass die Königswürde von Jesus ganz anderer Art war und dieser kein Staatsverbrechen begangen hatte: Von jüdischen Autoritäten unter Druck gesetzt musste er diesen Grund angeben, sonst hätte er ihn nicht kreuzigen dürfen.

Vielleicht wollte Pilatus sich auch an denen rächen, die ihn gezwungen hatten, das Todesurteil zu fällen, denn er stellte es als Tatsache hin und nicht als Behauptung des Verurteilten.

Aber es gibt noch einen weiteren Grund: Gott, der die Macht des Pilatus zugelassen hat (Vers 11), sorgt dafür, dass Pilatus die Wahrheit sagt. Pilatus wird so, ungewollt, zum Verkündiger, der in den damals gängigen Sprachen, der aramäischen Volkssprache, der römischen Amtssprache und der griechischen Handelssprache, bekanntgeben musste: Jesus ist der König der Juden.

Ein besonderer König; einer, der nicht Leben nimmt, sondern sein eigenes hergibt, der nicht den Schuldigen verurteilt, sondern aus Schuld rettet, der nicht ausgrenzt, sondern jede und jeden zu Gott einlädt.

Deshalb ist er auch ein König aller. Die anderen Königreiche der damaligen Welt sind vergangen. Damals hätte sich das niemand vorstellen können.

Und Jesus? Dieser König hat heute ein weltweites Volk, das ihn ehrt und das seinem Beispiel folgt.

Es sind wir Christinnen und Christen, seine Nachfolgerinnen und Nachfolger. Woran sehen die Menschen in unserer Umgebung, dass wir zu ihm gehören?

Einen ruhigen und gesegneten Karfreitag!

Ihr/Euer Pastor Matthias Zehrer

LOSUNG AM KARFREITAG, 10. APRIL

Wohl dem, der den Herrn fürchtet, der große Freude hat an seinen Geboten!

Psalm 112, 1

AUS DEM DAZUGEHÖRIGEN LEHRTEXT

Durch seine Wunden seid ihr heil geworden …

1. Petrus 2, 24

Unter „Song & Video“ können Sie den Song „Adler fliegen hoch“ der EmK-Band BEGEGNUNG hören. Ein Siebzehnjähriger hat ihn mit seiner Handykamera aufgenommen. Es ist eine Momentaufnahme aus einem Konzert in der ev. Kirche in Sonthofen (Allgäu). Der Text, bereits etliche Jahre alt, gewinnt in der derzeitigen gesellschaftlichen Situation an Dynamik.


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